Nasses Klopapier

Kürzlich habe ich mir bei Amazon solche feuchten, einzeln eingepackten Tücher bestellen wollen, hauptsächlich fürs Zelten und andere Waldgeschichten. Solche, die man manchmal zu fettigem Essen dazu kriegt, das man mit der Hand essen soll. Leider habe ich mich wohl etwas vertan und erhielt stattdessen feuchtes Klopapier. Um es zurück zu schicken war es zu billig, den Aufwand nicht wert, also lag es eine Weile bei mir rum. Irgendwann dachte ich mir, was soll's, ich probier es einfach mal. Ich öffnete eine Packung und mir stieg sofort wohltuender Geruch von Kamille oder irgendeinem anderen frischen Kräuterscheiß in die Nase. Dabei fiel mir allerdings eine Aufschrift auf der Verpackung auf, der ich vorher keine Beachtung geschenkt hatte: "runterspülbar". Aber hallo, dachte ich mir, ist ja auch Klopapier, was soll ich denn sonst damit machen nach Gebrauch? Ich wurde neugierig und konsultierte das Internet. Tatsächlich fand ich den Hinweis, dass solcherlei feuchtes Klopapier in der Regel eben nicht wegspülbar ist. Der Grund dafür leuchtet ein: die Arschpappe ist ja schon feucht und soll sich natürlich dabei nicht sofort auflösen, wie es herkömmliches Klopapier optimalerweise erst im Abfluss tut - sonst hätte man ja beim Gebrauch ratz-fatz befleckte Hände! Dadurch besteht allerdings eine nicht zu unterschätzende Verstopfungsgefahr!

Aber was soll's, meins war ja laut Hersteller runterspülbar, und so startete ich einen ersten Versuch. Mein Kauf fühlte sich auf Anhieb richtig gut an. Der feuchtkalte Stoff war wirkte sehr erfrischend am geschundenen Gesäß und es war offensichtlich, dass das neue Papier viel besser reinigte, als das herkömmliche.

Rundum zufrieden mit dem Ergebnis brachte ich das Geschäft zum Abschluss. Dann jedoch überkamen mich Zweifel. Das klamme Papier hatte sich bei der Anwendung zum Glück kein Bisschen zersetzt. Nun aber betrachtete ich die Gemengelage in der Schüssel. Der parfümierte Analzwirn löste sich auch im Wasser schwimmend nicht auf! Wie konnte der Hersteller angesichts dieser Tatsache noch eine Verstopfung des Abflusses ausschließen?

Ich spülte also, traute mich aber nicht, die Schüssel sich selbst zu überlassen und stand davor, bis der Wasserstand sich normalisiert und der Spülkasten sich wieder gefüllt hatte. Erst als die Toilette wieder vollkommen ruhig war, traute ich mich das Bad zu verlassen.

Nun war ich in einer Zwickmühle. Einerseits wollte ich den neu kennengelernten Komfort der feuchten Abreibung für den After nicht mehr missen. Anderseits war mir die Entsorgung der nassen Popolappen zu heikel. Ich grübelte zwei Tage und veranlasste dann mit wenigen Klicks Amazon, mir einen Pümpel zukommen zu lassen.

Und so kommt es, dass ich jetzt immer mit frischem Boppes und Pümpel in der Hand im Kacksaal stehe und auf unkontrolliert steigenden Wasserstand nach erledigtem Geschäft lauere. Bislang kam es zu keinen abflussbedingten Ausnahmesituationen, aber wenn es soweit kommen sollte - ich bin bereit.